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Beobachtungsbericht   -   Totale Sonnenfinsternis 29.3.2006 in Side/Türkei

Einführung

    Vom 26.3. bis zum 2.4.2006 reiste ich mit meiner Frau und Kollegen vom Heidelberger Astrostammtisch (+ Alliierte) in die Türkei um die Totale Sonnenfinsternis am 29.3.2006 zu beobachten.
    Für die Reise sprachen erstmal vor allem die unkomplizierte Anreise und die gute Infrastruktur vor Ort. Neben der passablen Finsternislänge von fast 4 Minuten versprach auch die Umgebung mit antiker und türkischer Kultur und ein Urlaub am Meer eine angenehme Woche. Vielen Dank gebührt dafür Andy Bender (www.astropic.de) der die Reise konkret angeregt und für uns alle logistisch super organisiert hat (bis auf diese wirklich äusserst leidige Geschichte mit den 2 Raki's, Andy! :-) .
    Schöne Grüsse und vielen Dank auch an alle Teilnehmer (Andy B., Peter H. aus N., Michael + Christa L., Alex S., Reinhard S., Christina M. und natürlich meine Frau Sabine W.) für diese wirklich super Woche in der türkischen Frühjahrssonne! Natürlich hat auch die sehr angenehme Umgebung im Blue Waters Resort Hotel, Side einen grossen Anteil zum Gelingen dieses Unternehmens beigetragen.

    Der Apollo-Tempel am Hafen von Side.

Equipment

    Ich wollte sowohl Fotos der Sonne schiessen als auch visuell beobachten, möglichst beides gleichzeitig. Ausserdem musste die Ausrüstung im Flugzeug leicht transportierbar sein. Deshalb entschied ich mich, einen kleinen fotografisch korrigierten APO (Pentax SDHF D=75mm, f=500mm, f/6.7) und einen guten Feldstecher (Fujinon FMT-SX 10x50) auf einer azimutalen Montierung ohne motorischen Antrieb (AYO) mitzunehmen - alles zusammen auf einem leichten aber recht stabilen Fotostativ (Velbon CF-730). Für die Fotos benutzte ich eine DSLR mit einem Chip im Kleinbild-Format (Canon 5D). Das Nettogewicht aller Geräte lag bei etwa 12kg (ohne Koffer). Die komplette Optik + Kamera wurden im Handgepäck transportiert. Das Bild zeigt das voll aufgebaute Equipment im Einsatz während der ersten partiellen Phase.

    Sabine sieht sich mit dem 10x50 Feldstecher die Sonne an.
    Rechts die Fotomaschine mit Fernauslöser.

Informationen zur Sofi 2006

    Für alle Information über Finsternisse (Mond, Sonne, Planeten-Transits vor der Sonne) sind die Seiten der NASA von Fred Espenak die ultimative Referenz. Hier findet man alle detaillierten Infos, hiilfreiche Tips, Karten + Tabellen. Alle folgenden Datenblätter, Grafiken + Karten stammen soweit nicht anders bezeichnet aus dieser Quelle:

    (All data below concerning Eclipse Predictions by Fred Espenak, NASA/GSFC).

    Sofi 2006 - Details
    Geometrie der Finsternis über die ganze Erde
    Kontakt-Zeiten für ausgewählte Städte der Türkei
    Profil des Mondrandes

    Die Zentrallinie trifft fast genau die Stadt Manavgat an der türkischen Riviera. Das in antiker Zeit bedeutende Side (heute ein Touristenzentrum) liegt auf dem kleinen Kap direkt links (westlich von Manavgat) und war somit fast ideal für die Boebachtung geeignet. Unser Beobachtungsort lag ca 3km die Küste entlang östlich von Side (Blue Water Resort Hotel) und hatte die Koordinaten:
       Breite: 36:45:33 N = 36.759° N
       Länge: 31:24:31 E = 31.4087° E

    Verlauf der Totalitätszone in der südlichen Türkei ( © by F. Espenak, NASA/GSFC)
    (Original-Link)

    Genaue Zeiten (in lokaler Zeit = MESZ +1h = UT +3h) für unseren exakten Beobachtungsort in Side/Türkei sind wie folgt (berechnet von Michael L.):
       1. Kontakt:    12:38:20
       2. Kontakt:    13:54:55
       3. Kontakt:    13:58:44
       4. Kontakt:    15:13:32
       Finsternis-Maximum:    13:56:49


Weiterführende Links

Fotografie

    Dimensionen

    An erster Stelle steht die Überlegung ob Brennweite + Chipgrösse an die fotografische Fragestellung angepasst sind. Alle Aufnahmen der Sonne wurden hier im Primärfokus mit einem Pentax SDHF 75 und einer (unmodifizierten) Canon EOS 5D (24mm x 36mm Chipgrösse, 12.8 MegaPixel). gemacht. Hilfreich ist hier auch die Tabelle von Abbildungsmassstäben wiederum von Espenak.

    Kamera-Kennzahlen:
    • Pixelgrösse: 1 Pixel = 3.5 arcsec = 8.4my
    • Pixelzahl: 4368 x 2912 Pixel = 12.8 MegaPixel
    • Chipgrösse: 36 x 24mm Kleinbild, Vollformat
    Objektiv-Kennzahlen:
    • D=75mm, f=500mm, f/6.7
    Kennzahlen der verwendeten Kamera/Objektiv-Kombination:
    • Feldgrösse: 4.1° x 2.7°    = 8 x 5 Ds    (Ds = Sonnendurchmesser = 0.5°)
    • Grösse der Sonne: 5mm = 514 pixel
    • Grösse eines Pixels im Abstand der Sonne: 2500 km
    • Grösse der Erde im Abstand der Sonne: 17.3 arcsec = 5 Pixel
    • Grösse eines Pixels im Abstand des Mondes: 6 km

    Mit meiner Feldgrösse von 2.7° x 4.1° kann man die Sonnenkorona in einem zentrierten Bild also bis zu Radien von 5-8 Rs erfassen. Es macht deshalb Sinn die Bilder so tief zu belichten, dass ca 5 Rs erfasst werden. Die Sonnenscheibe selbst ist nur ca 4mm (ca 500 Pixel) gross. Für Detailaufnahmen von Protuberanzen u.ä. ist diese Brennweite deshalb etwas zu gering. Man sollte also bezüglich kleiner Details keine Wunder erwarten. Die Grösse der sichtbaren Protuberanzen lässt sich in etwa mit den angegebenen Skalen einschätzen; ebenso die Höhe der sichtbaren Mondberge (Unregelmässigkeit des Mondrandes).

    .

    Belichtungszeiten

    Zur Vorbereitung von Sonnenfinsternissen gibt Espenak auf seiner Seite Exposure Guide in Abhängigkeit von Blende/ASA die Belichtungszeiten an, die nötig sind, um einen gewissen Radius in der Korona zu erreichen. Vor der Sofi machte ich in der Türkei zur Verifikation ein paar Testaufnahmen mit meinem Teleskop- und Kamera-Setup (und visueller Baader-Folie), um sicher zu gehen, dass die angegebenen Zeiten wirklich so verwendbar sind. Die Zeiten waren sehr genau so brauchbar wie angegeben.

    Zum kurzen Ende sind die Belichtungszeiten üblicherweise durch die Verschlussgeschwindigkeit der Kamera begrenzt. Zu langen Zeiten durch die Verschmierung des Bildes durch die Erddrehung (bei stehender Kamera). Bei gegebenem Abbildungsmasstab der Kamera/Objektiv-Kombination lässt sich leicht ausrechnen wie lange man maximal belichten kann, wenn man vereinfachend Deklination = 0° für die Sonne (was recht genau hinkommt in unserem Fall hier) annimmt:
       1h = 15 Grad
       1 sec = 15 arcsec
       1 Pixel = 3.5 arcsec = 0.28 sec = 1/4 sec Belichtungszeit
    Länger als 1/4sec darf also nicht belichtet werden wenn die Sonne nicht durch die Erdrehung auf mehr als ein Pixel verschmiert werden soll. De facto ist durch Bildunschärfe und Luftunruhe etwas mehr Belichtungszeit ohne realen Qualitätsverlust möglich. Dennoch ist es gut, diese Zeit mal vorher theoretisch abzuschätzen, damit die Grössenordnung der erwarteten Effekte klar ist. Als geschlossene Formel zur Abschätzung der Grenzbelichtungszeit (Verschmierung um 1 Pixel) benutzt man t = 13680 * dx / f, wobei die folgenden Grössen einzusetzen sind: t Grenzbelichtungszeit in sec, dx die Pixelgrösse in mm, f die Brennweite in mm.

    Die Bewegung des Mondes relativ zur Sonne (Vorüberziehen des Mondes vor der Sonnenscheibe) ist eine weitere Bewegungskomponente, allerdings auf einer viel langsameren Zeitskala. Die Bewegungsgeschwindigkeit schätzt man aus der Zeit zwischen 1. und 4. Kontakt (155min) und der Wegstrecke (ca 2 x Sonnendurchmesser a 0.5°) ab zu 0.4 arcsec/sec. Der Mond bewegt sich relativ zur Sonnenscheibe also in 9sec um die Breite eines Pixels (3.5arcsec) in der Brennebene der Optik. Diese Grösse limitiert die Stackbarkeit von Aufnahmen, wenn man damit alle Bilder auf den Mondrand übereinander positioniert. Die 4 x 3 Aufnahmen wurden in einem Gesamtintervall von 63 sec gemacht, d.h. die Verschiebung des Mondes relativ zur Sonne beträgt ca. 7 Pixel. Dies ist sicher grenzwertig um für alle 4x3 Aufnahmen noch ein einwandfreies Stacking zu erlauben (Luftunruhe + Optikauflösung dürften deutlich kleiner sein - aber das wird sich beim Bearbeiten des Komposits noch herausstellen...).

Ablauf

    Um ein optimales S/N durch Mittelung (Stacking) zu erreichen, wollte ich viele Einzelaufnahmen verwenden. Um den grossen Dynamik-Umfang der Korona im Bild darstellen zu können, waren ausserdem mehrere verschiedene Belichtungszeiten nötig (siehe Belichtungszeiten). Beim Testdurchlauf stellte sich jedoch heraus, dass die gesamt benötigte Zeit für diese Belichtungsreihen sehr schnell die gesamte Sonnenfinsternis-Dauer erreicht. Da ich jedoch auch visuell die Finsternis beobachten wollte, musste ein Kompromiss gefunden werden. Deshalb entschied ich mich letztlich für max 2min Aufwand für die fotografische Arbeit. Damit waren dann 4 Belichtungszeiten mit je 3 Einzelaufnahmen möglich.

    Um die Zeit möglichst effektiv für Fotos zu nutzen, plante ich, die Aufnahmen nur am Anfang der Totalität zu schiessen und dann die Kamera komplett abzunehmen und visuell durch den Pentax zu beoachten. Die Fotos am Anfang der Totalität zu schiessen war vor allem hilfreich weil die Scharfeinstellung dann zu unkritischen Zeiten (in aller Ruhe) vor Eintritt der Totalität erledigt werden konnte. Der Baader-Filter befindet sich im parallelen Strahlengang vor dem Objektiv und verschiebt deshalb den Fokus nicht.

    Die 3er Belichtungsreihen wurden mit einem Timer und Spiegelvorauslösung geschossen (6x Auslösen mit je 1sec Zwischenraum), also mit einer Frequenz von 1 Bild/2 sec. Dadurch wird die Anfälligkeit für Bedienungsfehler verringert und die Verwacklungsgefahr minimiert.

    Für die Arbeit mit der DSLR ist i.a. noch zu beachten, dass der Auslese-Buffer der Kamera durchaus volllaufen kann, wenn man in schneller Abfolge RAW-Bilder schiesst. Oft speichert man ja auch zusätzlich noch (zumindest kleine) Jpeg's parallel mit ab. Sind die RAW's (+ Jpeg's) gross und der Buffer eher unterdimensioniert, so stösst man schnell an Grenzen und die Kamera verweigert weitere Aufnahmen (während wertvolle Sofi-Zeit verstreicht). Das sollte man bei der Planung bedenken. Am besten ist aber: die geplante Aufnahme-Sequenz als Testlauf ausprobieren ! Das Abspeichern im Jpeg-Format verringert aber das Problem, wegen des verringerten Speicherbedarfs. Bei der 5D war das jedoch mit der gewählten Anzahl von Aufnahmen keinerlei Problem (Bilder sind im RAW-Format ca 10 MB gross, kleine Jpeg's sind vernachlässigbar).

    Letztlich ist noch zu bemerken, dass die 5D-interne Uhr bei den Aufnahmen um 215sec vorging und noch auf MESZ gestellt war. D.h. die Bilder-Zeiten werden jeweils durch Addition von 1h und Subtraktion von 215sec in reale Lokal-Zeiten (Türkei, MESZ+1h = UT+3h) umgewandelt. Diese Differenz wurde durch die Aufnahme kurz nach dem 2.Kontakt ermittelt (Bild 2528 um 11:58:32 MESZ).

Einzelbilder

    Wegen des grossen Dynamikumfangs machte ich getrennte Aufnahmen wie folgt (die Differenz zur Voraufnahme in BS=Blendenstufen ist jeweils angegeben):
    - Protuberanzen (1/1000 sec)
    - innere Korona (1/60 sec, +4 BS)
    - äussere Korona (1/8 sec, +3 BS)
    - dunkle Oberfläche des Mondes (1/2 sec, +2 BS)

    Insgesamt überdecken die Aufnahmen also einen Bereich von mindestens 9 Blendenstufen zuzüglich die innere Dynamik eines Bildes (mindestens ca +/-3BS=6BS), insgesamt also mindestens ca. 15 Blendenstufen.

    Die folgenden Roh-Bilder zeigen (um einen Faktor 5 gebinnte/verkleinerte) Einzelbilder der Sonnenfinsternis (Jpeg-Qualität 80%) mit den verschiedenen Belichtungszeiten bei konstantem Empfindlichkeits-Setting 200 ASA und ohne jede weitere Bildverarbeitung.

    Zum Vergrössern, einfach auf das Bild klicken!

    Die Totalität mit Bel.zeit = 1/1000 sec (links, BS=0) und 1/60 sec (rechts, BS=4).

    Die Totalität mit Bel.zeit = 1/8 sec (links, BS=7) und 1/2 sec (rechts, BS=9).

Tiefe Korona

    Die nebenstehende Abbildung zeigt die äusseren, tiefen Strukturen der Korona. Dies ist kein Pellet-Komposit, sondern lediglich ein einzelnes RAW-Bild (Belichtungszeit 1/2 sec), das besonders hoch 'entwickelt' und im Kontrast angehoben wurde. Interessant sind die langen Spikes on der Korona in den Diagonalen, aber auch der Farbverlauf in der diffusen Korona-Komponente: innen ist die diffuse Komponente eher gelblich, aussen geht es in blau über (Streuung). Die Farbsättigung in diesem Bild ist durch die Kontrasterstärkung (unnatürlich) überhöht, dennoch sollte der Effekt (Gelb → Blau) wohl real sein !

    Interessant ist auch, dass auf dem einzelnen Bild schon die Strukturen auf der dunklen Mondoberfläche zu sehen sind ('Mondgesicht'). Dies ist der gleiche Effekt wie beim sog. 'aschgrauen Licht' des Mondes: die von der Sonne bestrahlte Erde wirft einen Teil des Lichts auf die sonnenabgewandte Seite des Mondes zurück.

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    Tiefe Aufnahme der äusseren Korona mit Mondgesicht (Oberfläche des Mondes)

Komposit-Bilder

    Hier zwei Komposit-Bilder unter Verwendung aller Belichtungszeiten (Belichtungszeiten 1/1000, 1/60, 1/8, 1/2 sec), jeweils auf 1/3 Auflösung rebinnt. Die Einzelaufnahmen wurden nach der Methode von Pellet bearbeitet. Dabei werden die Bilder zuerst so gefiltert, dass Strukturen in tangentialer Richtung verwischt werden (Photoshop Filter Blur/Spin, entspricht einer Drehung des Bildes um die Sonnenmitte). Nach Subtraktion dieser unscharfen Masken von den Originalbildern entstehen Bilder, die fast ausschliesslich Radialstrukuren enthalten. Letztere werden dann zur Verstärkung der Korona-Strukturen multiplikativ dem Ursprungsbild überlagert. Zum Schluss werden die Bilder aller vier Belichtungszeiten zu gleichen Anteilen überlagert. Die gesamte Bearbeitung (Stacking, Filterung + Finish) erfolgte in Photoshop CS2.
    Es ist klar, dass die Leuchtkraft und extreme Helligkeitsdynamik der realen Korona im Bild nicht wirklich realistisch wiederzugeben ist (insbesondere nicht hier im Web mit der auf 8bit begrenzten Farbtiefe). Dies wird an der Überlegung von oben klar: die Helligkeitsdynamik von den Protuberanzen bis zur äussersten Korona liegt jenseits von 15 Blendenstufen (also >15bit Luminanztiefe). Die Dynamik ist also notwendigerweise stark komprimiert dargestellt.

    Interessant sind im linken Bild vor allem die grossen Protuberanzen (mindestens 4 Stück sind sichtbar) und die stark strukturierte Minimums-Korona, die eine ausgeprägte Achsensymmetrie zeigt (Maximums-Koronen zeigen eher Punktsymmetrie zum Sonnenzentrum). Die Symmetrie- bzw Rotationsachse der Sonne ist von links/unten nach rechts/oben orientiert. Das linke Bild entspricht wirklich recht gut dem visuellen Eindruck, den man im Feldstecher oder Teleskop hatte.
    Das rechte Bild wurde durch Überlagerung der Radialstrukturen noch etwas mehr kontrastverstärkt und auf die Darstellung der Korona in ihren Aussenbereichen optimiert. Die Spikes sind bis zu 3 Sonnenradien (und mehr) nachzuverfolgen.

    Für die Darstellung der Vollbilder klickt man auf die Bilder und schaltet im MS InternetExplorer möglichst noch auf Vollbild (F11) um.

   

Komposits von 4 Aufnahmen während der Totalität (bearbeitet nach der Methode von Pellet, 1/3 der Original-Auflösung).
Das linke Bild gibt recht gut den visuellen Eindruck am Teleskop wieder. Das rechte Bild zeigt vor allem die Aussengebiete
der Korona mit den weit hinaus reichenden Spikes.
(Für Vollbilder auf die Bilder klicken !)


Bericht

    Wir waren am Sonntag mittags angereist und verbrachten die Tage etwas fiebernd (auf die Finsternis!) mit Sport, gutem türkischen Essen, kleinen Ausflügen nach Side, Manavgat und Instrumenten-Tests (vom abendlichen Wein + Raki schweigen wir mal). Das Hotel füllte sich ab Montag abend zusehends und war angeblich sogar ausgebucht. Ich schätze dass etwa 80-90% der Leute ausschliesslich für die Sofi gekommen waren. Es gab aber auch einige 'Lottogewinner', die rein zufällig kamen und sich über die vielen Freaks mit Fotoausrüstung + Teleskopen im Garten wunderten... Viele Gruppen aus Deutschland waren da, aber auch eine Gruppe von mindestens 50 Indern und 30 Amerikanern, Österreicher, Niederländer,...

    In den Tagen vor der Finsternis hatte sich das Wetter zusehends verbessert. Das Satbild sah am Tag der Finsternis sehr gut aus. Am Morgen des 29.3. war der Himmel wolkenlos und wir alle waren glücklich, dass sich sich das Wetter mit prognostizierten 40:60 Chancen letztlich zu unseren Gunsten entschieden hatte. Wir suchten uns einen Beobachtungsplatz etwas abseits vom Hotel und erhöht am Strand aus, ca 30m vom Meer entfernt mit freiem Blick nach WSW, in die Richtung aus der der Zentralschatten 'heranfliegen' sollte. Der Strand verläuft recht genau in O-W-Richtung. Die Totalität war also optimal Richtung SSW in einer Elevations-Höhe von ca 55° zu erwarten.

    Mit von der Partie auf diesem Platz waren meine Frau Sabine, Andy, Michael + Christa, Peter H. aus N. :-) und Alex (Christina + Reinhard sich einen anderen Platz gesucht). Neben uns baute auch noch eine Gruppe aus den Niederlanden auf, mit denen in der Zwischenzeit gefachsimpelt wurde. Ca 200m entfernt, auf dem hoteleigenen Strand oder direkt auf dem Hotelgelände stand das Gros der Sofi-Gäste. Gegen 10:30 Uhr lokaler Zeit hatten wir das Equipment aufgebaut und ich machte letzte Tests mit der Kamera für meine Belichtungsreihen und Belichtungszeiten durch den Pentax. Die Scharfstellung war etwas diffiziler als ich es vom Nachthimmel her gewohnt bin. Letztlich benutzte ich dann eine draussen auf dem Meer schwimmende Boje, bzw die Lichtreflexe dahinter im Meer zum Scharfstellen. Zur Kontrolle diente dann der Sonnenrand bzw die kleine Fleckengruppe, die schon am vorherigen Tag am Sonnenrand erschienen war und heute etwas Richtung Sonnenmitte vorangekommen war.

    Sekundengenau um 12:38:20 (lokale Zeit = UT+3h) beginnt die partielle Bedeckung und der Mond schiebt sich von 'rechts unten' kommend über den Sonnenrand. Vorne am Strand wird geklatscht, gejubelt und gejohlt - Sofi-Freaks sind eben ein sonniges Völkchen ! :-) Ich mache die ersten Belichtungen und will jetzt alle 15min ein Vergleichsbild durch die Baaderfolie und den Pentax aufnehmen (gut, eine Armbanduhr mit Alarm dabei zu haben). Etwa 1h 20min dauert es noch bis zur Totalität. Am Himmel gibt es jetzt doch einige lokal begrenzte leichte Cirren im Westen. Die Bilder im Teleskop sind aber doch recht scharf und auch die Beobachtung in Michael L.'s Coronado nebendran zeigt, dass die Luft eigentlich recht gut ist derzeit. Auch einige Protuberanzen sind in H-Alpha schon ganz gut zu sehen, wenn auch recht klein. Die Fleckengruppe zeigt ausgedehnte + deutliche Fackeln in ihrer Umgebung. Die Fotos zeigen, dass der Mondrand irgendwie unregelmässig aussieht. Sind das die Berge am Mondrand ? Mehrere Fotos nacheinander zeigen immer die gleiche Struktur, also ist das keine Luftunruhe. Tatsächlich sieht man auf die Fotos die Berge am Mondrand ! (vgl das Profil des Mondrandes ).

    Nach ca 40minuten ist die Sonne ca 50% bedeckt und man merkt jetzt schon eine Veränderung des Lichts. Es ist schwächer (etwa wie spätnachmittags) aber wirkt vergleichsweise nicht so rot sondern etwas fahler/blauer. Immerhin hat die Sonne rein rechnerisch schon 0.75mag (Faktor 2) an Helligkeit verloren (wenn man von der Beleuchtung durch grossräumiges Streulicht am Himmel mal absieht und nur die Flächenverhältnisse Sonne/Mond berücksichtigt). Auch empfindet man es jetzt schon als etwas kühler. Die Einstrahlung ist einfach schwächer geworden (Kollegen messen im Schatten Abfälle um insgesamt 7 Grad). Dennoch, durch die Adaption des Auges nimmt man die optischen Effekte nur verzögert wahr und auch nur wenn man genau hinsieht.

    Nach weiteren 20min werden die Effekte schon deutlicher. Jetzt hat sich das Licht nochmal halbiert und die Verdeckung bewirkt eine Lichtabschwächung um weitere 0.75mag. Diese Entwicklung beginnt sich jetzt merkbar zu beschleunigen. Man wird nervöser, weil die Totalität naht. Die kritischen Equipment-Teile werden nochmal gecheckt. Die Zeit zum Halbieren der Lichtmenge wird jetzt immer kürzer. Diese Beschleunigung bei der Halbierung des Lichts verursacht an sich auch schon irgendwie eine untergründige Panik. Die letzten 1-2 Minuten vor Eintritt der Totalität wird das ganz massiv und man hat das Gefühl, in ein Loch zu fallen, ein richtiger Kollaps. Die Leute jubeln und klatschen immer mehr und lauter. Es geht abwärts ... Richtung WSW wird es über dem Meer bedrohlich dunkler, auch wenn man keinen scharfen Schattenrand heranfliegen sehen kann. Jetzt hätte ich gerne mal meine Herzfrequenz gewusst, Ruhepuls ist das keiner mehr ...

    Der Himmel wird rasant so dunkel wie in fortgeschrittener Dämmerung. Die Sterne kommen raus, insbesondere im SW die Venus. Ca 30 sec vor Eintritt der Totalität nehme ich die Filter von den Objektiven ab. Der 'Diamantring' - zunächst noch so gross wie die Sonne selber - schwindet immer mehr dahin innerhalb der letzten 20sec. Innerhalb weniger Sekunden schiesse ich in manuell kontrollierten Abständen die ersten 3 direkten Fotos durch den Pentax (Belichtungszeiten 1/250sec ... 1/800sec). Die Sonne ist noch massiv zu sehen und dennoch kommt jetzt schon die Korona raus...! Um auf den Punkt 13:54:55 Uhr: 2. Kontakt, Eintritt der Totalität, WOMM ! Der Himmel wird dunkel wie 1h nach Sonnenuntergang und nur noch die Korona mit dem schwarzen Mond in der Mitte steht strahlend hoch am Himmel. Wahnsinn !

    Am Strand vorne jubelt und klatscht es wie bei Silvester (nur das Heulen + Knallen der Feuerwerkskörper fehlt). Leider habe ich noch keine Zeit genau zu gucken, sondern ziehe erstmal mein Fotoprogramm durch. Eine Aufnahmeserie von 3 Shots im Abstand von 2sec kontrolliert vom Fernauslöser/Timer. Dann Belichtungszeit umstellen, Position im Gesichtsfeld kontrollieren und Abdrücken für die nächste Serie. Das ganze 4 mal. Danach wird die Kamera eilig abmontiert und das Okular in den Pentax-Auszug gesteckt. Jetzt die Kamera weg ! - Leider überlege ich noch, ob ich mit normalem Objektiv doch noch eine Aufnahme machen soll, aber da fällt mir die störende Spiegel-Vorausauslösung ein. Zu spät jetzt noch durch die Menüs zu klicken... Also schnell weg mit dem Kamerakram in den Transport-Koffer...!!!

    Der erste Blick durch den Feldstecher ist fantastisch. Die Korona ist nicht rund wie 1999 sondern elongiert und achsensymmetrisch. Sie ist mit geschwungenen radialen Streifenstrukturen übersäht, darüber 4 oder 5 lange Spikes diagonal zu den Seiten. An den Polen gibt es nur kurze 'Haare'. Darunter gibt es bei schwächerer Intensität noch eine runde + diffuse Verteilung ohne Strukturdetails. Am oberen Sonnenrand zeigt sich die Protuberanz, die schon vorher im Coronado zu sehen war, allerdings jetzt viel leuchtender, deutlicher und grösser. Die Farbe ist eine sonderbar quietschig leuchtende Mischung aus Rosa, Pink und Orange. Daneben gibt es noch einige kleinere Protuberanzen. Ich sehe mir das ganze noch im Teleskop an und zoome in die Details hinein, aber da kommt schon der Ruf 'Noch 30sec...!' - Wahnsinn wie die Zeit wegfliegt !

    Es ist einfach viel zu kurz ! Ich fluche auf die vergeudete Zeit durch die verdammte Fotografiererei...

    Die Uhr sagt jetzt: Vorsicht gleich kommt die Sonne. Die Leute am Strand vorne jubeln, klatschen und kreischen und BANG, da kommt der erste Strahl am unteren Mondrand! Die Korona ist wieder noch einige Zeit - trotz des hellen Diamantrings - zu sehen. Auch die Sterne sind noch da ... Venus ... andere ... ich habe vergessen nach Merkur, Mars und Formalhaut zu sehen... Jetzt müssen schnell wieder die Filter wieder auf die Objektive. Es wird rasant heller. Immer noch wird immer wieder mal geklatscht und gejubelt bei uns und vorn am Strand. Da ist noch die Venus zu sehen - es ist schon taghell. Also Filter vom Pentax wieder abgezogen und hingeschaut, rausgezoomt. Halb-Venus ! Verwunderung bei Christa L., dass das ja wie der Mond aussähe... Ja genau - Venus-Phasen! :-) Mit der kleinen Digicam (Canon Powershot A80) mache ich ein paar Shots mit Automatik durch das Zoom-Okular am Pentax aus der Hand. Tatsächlich sieht man die Venus ganz passabel darauf ! Super ! Selbst 5 Minuten nach dem 3. Kontakt findet man dieVenus noch recht leicht mit dem blossem Auge; im Teleskop bleibt sie noch nach 15min gut sichtbar...

    Ganz langsam kehrt Entspannung ein. Das Adrenalin wird gaaaaz, gaaaanz langsam abgebaut ... Die Anspannung (spätestens seit dem 2. Kontakt, aber eigentlich schon lange vorher!) lässt endlich nach. Unwirklich, dass es jetzt schon und so schnell vorbei gewesen sein soll. Reumütig bin ich jetzt doch froh, die Fotos geschossen zu haben und schaue mir diese erstmalig an. Die Shots vom Diamantring und in der Totalität sind nach erstem Anschein super gelungen. Klasse ! Meine Flüche auf den technokratischen Fotokram sind wieder vergessen...

    Überall Erleichterung und alle checken jetzt, was auf ihren Digitalfotos zu sehn ist. Ich mache immer wieder noch ein paar Aufnahmen der 2. partiellen Phase mit der Canon und einem 50mm Objektiv freihändig durchs Okular - sozusagen zum Spass... Jetzt kann man auch mal rumgehen und die anderen Leute fotografieren. Alle sind immer noch etwas aufgelöst und man begutachtet die Fotoergebnisse gegenseitig ... Ah, das ist ja super geworden ! Andy jammert, dass er seine WebCam-Programme genau im falschen Zeitpunkt abgeschossen hat - arrrghh ! Aber einiges hat er dann doch drauf, das wird noch ganz gute Bilder geben beim Stacken... Peter H. hat ein AVI mit Tonspur mit seiner Digicam geschossen, auf dem man das Jubeln und Klatschen der Leute hört ... Eine super Erinnerung an die ganzen Sofi-Party-Atmosphäre am Strand während der Totalität !

    Die ausgehende partielle Phase vergeht in lockerer Entspanntheit. Ein paar Fotos noch. Noch ein paar Detailbeobachtungen am Mondrand, wo man wieder die Unregelmässigkeiten der Berge sieht ! Zuletzt um 15:13:32 trennt sich der Mond von der Sonnenscheibe. Wieder wird allseits geklatscht und gejohlt. Alle sind glücklich, dass wir die Finsternis so super beobachten und miterleben konnten und auch die Fotos geglückt sind. Es wird auch wieder wärmer. Und irgendwie ist es ja auch nett (!), dass die Sonne wieder zurück ist :-)

    Am Nachmittag trinken wir - ganz geschafft - auf der Terasse Kaffee + geniessen hungrig (weil ausnahmsweise mal ohne Mittagessen) die Cookies dazu. Man lernt nochmal ein paar Kollegen kennen und tauscht Bildeindrücke und Email-Adressen aus...

    Klasse war's ! - Wann und wo sagtet Ihr ist die nächste ??? :-)

...und die Bilder dazu...

    Zum Vergrössern, einfach auf das Bild klicken!

    Partielle Phase 1, kurz nach 1. Kontakt

    Partielle Phase 2

    Partielle Phase 3

    Partielle Phase 4

    Diamantring 1

    Diamantring 2

    Diamantring 3

    Diamantring Detail

    Beginn der Totalität, 2. Kontakt

    Komposit-Bild der Korona

    Totalität am Strand mit Venus im SW

    Die Venus nach dem 3. Kontakt im Pentax mit Okularprojektion


Version: 24.04.2012
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