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Beobachtungsbericht   03./04.01.2009    (01/2009)
Lange Winternacht im Schwarzwald

    Beobachter: P. Surma
    Datum/Zeit: 03./04.01.2009, 21:30 - 3.30 MEZ
    Ort: SILA
    Kollegen: -

    Sonne: Untergang 16:55 MEZ
    Astronomische Dämmerung (Ende): 18:41 MEZ
    Mond: Untergang 0:30h MEZ
    Phase 43% beleuchtet, -9.8mag

    Wetter: Klar, gegen 0h für etwa 30min durchziehende Mittelbewölkung aus NW
    Temperatur: -10°C
    Atmosphäre: Seeing gut
    Himmel: bei Mondschein ca 20.3mag/sas, nach Monduntergang bis zu 21.4mag/sas (SQM-L)

    Teleskop: 20" f/4 Dob
    + 6" f/5 Newton Bigfinder,
    10x50 Feldstecher
    Montierung: Dobson (manuell)
    Filter: Astronomik UHC, OIII, Hβ
    Okulare:
    (Dob /
    Finder )

    f 31mm 20mm 13mm 9mm 5mm
    AP 7.8mm 5mm 3.3mm 2.3mm 1.3mm
    V 65x 100x 155x 225x 400x
    Feld 1.25° 0.8°
    50'
    0.5°
    30'
    0.36°
    22'
    0.2°
    12'
    Maglimit 15.8m 16.5m 16.9m 17.1m 17.0m






    AP 6.2mm 4.0mm 2.6mm 1.8mm 1.0mm
    V 24x 38x 58x 83x 150x
    Feld 3.4° 2.2° 1.4° 1.0° 0.55°
    33'
    Maglimit 13.6m 14.1m 14.5m 14.7m 14.9m


    Objekte: Diffuse Emmisionsnebel (Neb):
          -
    Dunkelnebel (DN):
          -
    Galaxien (Gx):
          -
    AGN (Quasare, Seyfert, BL Lac):
          -
    Cluster (GxCl) + Gruppen (GcGrp)
          -
    Planetarische Nebel (PN):
          -
    Planeten + Monde:
          -
    Sternhaufen:
          -
    Sterne:
          -
    Anderes:
          -


    Bilder der Objekte: © STScI Digitized Sky Survey.    Alle Daten + Zeiten (in MEZ) aus Guide 8.0.
    Klick auf die Nummer in der Übersicht springt zu dem Objekt. Klick auf das CrossRef -Symbol vor jedem Objekt springt auf eine Seite mit zusätzlichen Links + Infos. Maglimits der Okulartabelle sind gerechnet  für optimale Bedingungen im Zenit und fst 6.5m. Meine subjektiven Highlights der Nacht sind gelb markiert.


Sternentstehung im Perseus (NGC 1333)
© STScI Digitized Sky Survey


Übersicht

    (1)   Rillensystem auf dem Mond
    (2)   Geostationäre Astra-Satelliten

Diskussions-Threads zum Bericht

Einführung

    Ein paar Tage Urlaub nach Neujahr, Schwarzwald, klares Wetter - ideal + ganz easy zum Beobachten... dachte ich ! Der Weg zu den Sternen kann aber manchmal - im wahrsten Sinn des Wortes - lang sein.

    Direkt vor meiner 'Haustür' im Schwarzwald - wo ich sonst auf den Wiesen ringsum beobachte - ist es leider neblig. Ich habe tagsüber eine Tour auf den Herzogenhorngipfel unternommen und da sah man schon (bei toller Alpensicht oben drüber!), dass der Nebel vom Rheintal im Süden heraufwabert. Die Wettervorhersage sieht aber insgesamt gut aus heute nacht für den Südschwarzwald. Also mache ich mich vertrauensvoll + hochmotiviert (und trotz kalter Witterung + 1/2 m Schnee rundum) auf den Weg etwas höher hinaus, nach Norden Richtung Feldberggebiet. An einer Verbindungsstrasse über die Höhen rüber zum Schluchsee habe ich heute tagsüber schon vorsorglich ein machbaren Platz auf 1200m ausgesucht. Dort ziehen aber, als ich ankomme, gerade Wolken durch. Mist ! Also weiter zum Feldberg, wo ich im Sommer einen recht guten Platz mit dem Fahrrad erkundet habe. Äh...?! - die Zufahrt liegt gerade leider auf einer Skipiste...! Arrrggghh - die Sache beginnt ins Nervige umzukippen. Gottseidank steht der Halbmond noch hoch und ich verpasse zumindest bis 0h (wenn er dann endlich untergeht) nicht allzuviel. Wohin jetzt ? Bleibt noch das Schauinsland-Gebiet. Liegt zwar nahe an Freiburg, aber im Tal ist ja Nebel, das sollte das störende Licht eigentlich gut abhalten. Tja, es stellt sich heraus: am Schauinsland ist südseitig Skibetrieb bei Flutlicht ! Da bin ich jetzt aber echt ENTTÄUSCHT (wie bei 'Fish Named Wanda') ! Damit der ganze Wahnsinn nicht völlig sinnlos gewesen ist fasse ich mich dann doch: OK, der Flutlichtbetrieb wird nur noch ca 1.5h dauern - und der Mond stört letztlich viel mehr. Also baue ich auf, lass den Spiegel erstmal auskühlen und mach ein paar einfachere, Beobachtungs-Fingerübungen (s.u.). Alles läuft wie erwartet, der Mond sinkt hoffnungsvoll gen Westhorizont, auch das Flutlicht hat schliesslich ein Ende. Yeah !

    Als der Mond gerade den Horizont berührt sehe ich aus NW eine Front aus mittelhohen Wolken aufziehen - Oh no, no, no ! Ich komme ruck-zuck in einen Verzweiflungszustand, der mich an den Rand des völlig entnervten, laut-fluchenden Abbauens bringt (meine Mitbeobachter kennen das :-)... als ich doch nach 20min sehe, dass es nur ein durchziehendes Wolkengebiet ist. Im NW kommt der Himmel wieder klar raus und bis ich um 3:30h abbaue sehe ich dann kein Wölkchen mehr. Finally !

    Irgendwie kann Astronomie echt strapaziös sein. Und damit meine ich nicht die 6 Stunden draussen bei -10°C. Das ist noch das wenigste... :-)

Beobachtungen

    (1) Rillensystem auf dem Mond

    CrossRef
                           
    Der (fast Halb-) Mond steht noch relativ hoch und auch der Flutlicht-Skibetrieb läuft noch. Am besten ich teste meine Kollimation und schau mir mal den Mond an. Der Spiegel ist zwar schon auf etwa 0° vorgekühlt, aber jetzt fehlen ihm noch 10° runter auf Umgebungstemperatur und die Luft im defokussierten Sternbild kocht noch etwas. Auch die Luft 20° über dem Westhorizont ist nicht optimal. Das Bild wabert also entsprechend. Dennoch sind in ruhigen Augenblicken die Ausblicke in die Meere, Krater und Rillensysteme fantastisch. Südlich des Serenitatis gibt es eine lange Rille, die sich um ein paar Ecken wohl einige 100km über die Ebenen zieht. Klasse !

    Das bringt mich wieder dazu, demnächst mit dem grossen Dob mal ausgiebig Mond zu beobachten. Möglichst bewaffnet mit einem guten Atlas/Programm (z.B. Virtual Moon Atlas - allerdings frage ich mich warum mein Virenscanner bei Installation Alarm schlägt ... ???). Nachteil beim Mond ist auch: man ist hinterher auf dem betreffenden Auge fast 'blind' (es ist gut einen Neutralfilter zu verwenden, das Teleskop abblenden will man ja gerade nicht wegen der Auflösung). Ich hatte schon vorsichtshalber nur das 13mm Okular genommen. Dennoch sieht mein rechtes Auge hinterher 'fast nichts' mehr - zumindest ist der Eindruck so. In 1h wenn der Mond weg ist, dürfte es aber wieder richtig adaptiert sein ... :-)

    (2) Geostationäre Astra-Satelliten

    CrossRef
                           
    Ich hatte mir schon lange vorgenommen, mir mal bei passender Gelegenheit ein paar geostationäre Satelliten anzusehen, und dieses Mondschein/Flutlicht Mis-Event WAR nun diese Gelegenheit! Ich habe mir erst vor 1 Woche die neuesten Sat-Bahnelemente (TLE = Two-Line Elements) ins Guide gezogen (Infos zur Genauigkeit der Sat-Berechnungen von Guide finden sich bei Project Pluto). Asserdem habe ich auch meine Suchstrategie schon vorher ausprobiert. Also kann's heute gleich losgehen. :-) Ziel sind ein paar Satelliten aus der Astra-Flotte, die über 19.2° Ost über dem Äquator 'verankert' sind. Diese sind für Kontinentaleuropa zuständig und stellen vor allem deutsche, französische und spanische Sender zum terrestrischen Empfang (Sat-Antenne) zur Verfügung.

    Die Auffindung funktioniert mit Notebook + Guide 8.0 einfach so: (1) suche mit dem entsprechenden Menübefehl den Satelliten Astra 1G. (2) Fixiere die Position der Karte auf Astra 1G und starte den Animationsmodus von Guide im Echtzeit-Modus. Alle 2sec (alle 10sec reicht auch) wird die Karte refresht und die gerade neu ausgerechnete Position der Astras ins Hintergrund-Sternfeld eingezeichnet. (3) Suche bei laufender Animation die Position zwischen den Sternen, erst in grobem Massstab (40° Feld), dann in feineren Schritten (bis runter auf 5° Feld). So wird das alles zu einem ganz normalen Starhop ! (soweit zur Frage wieso Planetariumsprogramme manchmal besser sind als gedruckte Kartenwerke ;-) Für den heutigen Beobachtungsplatz nahe Freiburg (!) liegen die Horizont-Koordinaten der von mir angepeilten Astras bei ca. h = 33.9° (= grob 8° südlich des Himmelsäquators) und Azimut = 164.8° (= 15.2° östlich des Meridians). Diese Daten (ortsabhängig !) habe ich mit Guide 8.0 bestimmt. Wer kein geeignetes Programm zur Verfügung hat, benutzt einfach den Positionsrechner der SATzentrale: Position eingeben, Berechnen drücken und dann Ergebnis in Azimut-Winkel + Elevations-Winkel in der Ergebnis-Tabelle unten ablesen. Nützliche Programme etc finden sich auch bei meinem Kollegen Andy Bender. Technische Daten zu den Sateliten, z.B. für Astra 1G, findet man wie immer bei Wikipedia oder auch bei Heavens-Above. Ausserdem ist dieser Rückblick auf das Astra-System recht instruktiv.

    Bingo - da fliegen sie ! Ich kann sie im 31mm Okular im 6" BigFinder (3.4° Feld) schon angedeutet sehen (der Himmel ist noch recht hell: ca. 20.5mag/sas). Mit dem 13mm Okular machen sie selbst bei schlechten Himmel keinerlei Problem in 6" - sie dürften bei ca 9-10mag Helligkeit liegen. Im Dob seh ich sie schön im 13mm Okular. Wie eine 'Klingonen-Flotte ' :-) ziehen sie dahin. Es sind insgesamt 5 Astras - eine Dreiergruppe im Norden und ein weiteres enges Paar im Süden. Mit Guide kann ich Astra 1G, 1H, 1F, 1KR identifizieren. Nummer 5 ist unklar - wahrscheinlich 1L, aber seine Position (Bahnelemente?) stimmt anscheinend nicht in Guide. Auf jeden Fall ist es fantastisch, die Dinger da oben sehen zu können (ich hab leider keinen Sat-Empfänger dabei, sonst könnt ich im Fokus meines Dobs jetzt sicher das Programm empfangen - in ungekannter Bildschärfe :-).

    Nach 15 Minuten kommt es mir vor, als ob sich das eine Sat-Paar in seiner Ausrichtung verändert hätte. Und tatsächlich nach 25min ist der Effekt verifiziert. Die Satelliten sind zwar geostationär, aber sie oszillieren relativ schnell um ihre Optimalposition herum. In Guide lässt sich durch Animation nachvollziehen, dass diese 5er-Gruppe etwa in einem Areal von 15' Durchmesser hin- und herschwankt. Es gibt sicher verschiedene Effekte für diese Bewegungen: (1) Bremsung durch Reste der Atmosphäre (im Vergleich zu niedigen Satelliten hier ein eher geringer Effekt durch die hohe Bahn) (2) der Sonnenwind (und seine Variabilität) beeinflusst das Satelliten-Orbit (3) die Erde ist (keine Kugel, aber auch) kein perfektes Rotations-Ellipsoid, sondern ein sog. Geoid - eine auf gewissem Genauigkeits-Level betrachtet recht unregelmässige Kartoffel. D.h. das Gravitationsfeld der Erde hat leichte Asymmetrien (Massenverteilung im Erdinneren, Gebirge etc.), und das spüren die Satelliten. Ihre Bahn ist also nicht perfekt die, die Herr Kepler mit seinen einfachen Gesetzen ausgerechnet hat. :-) Durch aktives Gegensteuern (Düsen) müssen sie regelmässig wieder Richtung Optimal-Position geschoben werden. EIne Diskussion von Satelliten-Bahnelementen und auch verschiedene Störeffekte findet man hier bei Wikipedia. (Oh da seh ich gerade, der Mond kann auch noch was ausmachen an der Unregelmässigkleit der Bahn ... :-).

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Version: 06.01.2009
Initial: 27.12.2008
© 2008 by P. Surma