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Der 20" Dobson

    Ein Dobson in der 20"-Kampfklasse gilt als ultimatives Gerät für rein visuelles Beobachten. Seit Juni 2007 beobachte ich mit einem solchen (gebraucht erstandenen) 20-Zoll f/4 Gitterrohr Dobson (D=0.5m, f=2m, Bilder des Teleskops siehe ganz unten).

    Das Gerät stammt ursprünglich von AOM und verfügt über einen 33mm dicken Hauptspiegel mit 13 kg Gewicht und einem Strehlwert von 0.96. Ventilatoren unter der offenen 18-Punkt-Spiegelzelle (plus Schlinge) und über der Spiegelfläche selbst kann man für schnellere Auskühlung und Turbulenzminderung benutzen (ich benutze das aber praktisch nie). Der Fangspiegel (ohne Heizung, aber isoliert) ist offsetkorrigiert eingebaut und besitzt 100mm Durchmesser (kurze Achse). Die Kollimation der Optik ist nach dem Aufbau in 5 Minuten per Laserjustierung (2" Laser) sehr leicht herzustellen. Der Okularauszug ist ein Starlight Feathertouch, der durch sein perfektes Handling das Beobachten sehr angenehm macht. Der Einblick liegt (jetzt nach Tieferlegung um 5cm) im Zenit auf 2.00m Höhe, so dass eine kleine Alustandleiter mit 3 Stufen (0.65m Höhe) für alle Objektpositionen am Himmel genügt.

    Die mechanische Konstruktion ist handwerklich sehr solide in Birke-Multiplex ausgeführt und relativ zur heute üblichen Leichtbaumode im Dobsonbau recht massiv. Im Gegenzug ist der Teleskopaufbau allerdings absolut unverwüstlich und macht keinerlei Probleme beim Schwenken, auch in Extrempositionen. Das Gewicht der Spiegelbox (inkl. Spiegel + Zelle) beträgt 27 kg und lässt sich von einer Person gut handhaben (ich trage es regelmässig die Kellertreppe hinauf/hinab :-). Vier Alurohrpaare a 0.8kg in Standard-Konstruktion (Serrurier) halten den 5kg (5.8kg inkl Blende) schweren Hut mit dem OAZ in Position. Die Geometrie der mechanischen Konstruktion bewirkt, dass zusätzliche Drehmomente am Hut (Okulare, Sucher) unter dem Spiegel mit ca 3.5x...4x des Gewichts kompensiert werden müssen. Früher war dazu ein Akku (2.6kg) und ein Gegengewicht (3.6kg) hinter der Hauptspiegelzelle notwendig, heute habe ich das durch 50mm Tieferlegung (und den BigFinder an der Spiegelbox s.u.) jedoch komplett wegoptimiert. Trotz des eher schweren Hutes ist der Gesamttubus heute mit allen Okularen (auch dem 31er Nagler (900g)) am OAZ perfekt im Gleichgewicht.

    Zur Streulichtminderung benutze ich einige Optimierungen, u.a: (i) An der Hinterseite des Spiegels habe ich einen umlaufenenden Ring angebracht, der verhindert, dass von Hinten Streulicht ins Okular kommt (dies war vorher deutlich sichtbar bei Schneelage am Boden !). (ii) Ein schwarzes Nylontuch ummantelt die Gitterrohre. Zu letzterem gibt es immer wieder Diskussionen, ob eine solche 'Socke' denn notwendig sei. Aber mein Argument ist einfach: ich kann durch den offenen OAZ den unteren Teil der Gitterrohre sehen, auch natürlich die Spiegelbox. Also müssen diese Teile so dunkel wie möglich sein, d.h. geschwärzt und gegen äusseren Lichteinfall ummantelt. Manchmal beobachtet man bei hellem Himmel und auch dann will man Kontrast ! ich denke es macht auch keinen Sinn, einerseits nach den kontrastreichsten Okularen Ausschau zu halten, dann aber andererseits an solch banalen Dingen zu 'sparen'...

Okulare

    Ein f/4 Strahlengang erfordert Okulare relativ hoher Qualität. Gleichzeitig möchte man möglichst grosses Feld, also Widefield-Okulare (scheinbares Feld >80°, weil f=2000mm schon eine recht hohe Brennweite ist und sonst die wahren Bildfelder sehr klein werden). Der hohe Preis solcher Okulare relativiert sich etwas, wenn man bedenkt, dass man sie typischerweise ein Leben lang benutzt...

    Okularset am 20" Dobson:
    f 31mm 20mm 13mm 9mm 5mm 2.5mm
    AP 7.8mm 5.0mm 3.3mm 2.3mm 1.3mm0.65mm
    V 65x 100x 155x 225x 400x 800x
    Feld 1.3°
    75'
    0.8°
    50'
    0.5°
    30'
    0.36°
    22'
    0.20°
    12'
    0.10°
    6'
    Limit 15.8m 16.5m 16.9m 17.1m 17.0m 16.9m

    Okularset am Bigfinder:
    f 31mm 20mm 13mm 9mm 5mm2.5mm
    AP 6.2mm 4.0mm 2.6mm 1.8mm 1.0mm 0.5mm
    V 24x 38x 58x 83x 150x 300x
    Feld 3.4° 2.2° 1.4° 1.0° 0.6°
    33'
    0.27°
    16'
    Limit 13.6m 14.1m 14.5m 14.7m 14.9m 14.9m

    (f = Okular-Brennweite, AP = Austrittspupille, V = Vergrösserung)

    Die Grenzgrössen (Limit) in Magnituden wurden mithilfe eines Maglimit Calculators errechnet, mit folgenden (optimistischen) Annahmen + Kenngrössen: fst=6.5mag, B-V=0.63mag (Sonne), Luftmasse = 1 (Zenitdistanz 0°), Extinktionskoeffizient in V +0.15mag, Seeing 2.5arcsec FWHM, Expert Observer. Eine Augenpupille von 6.3mm wurde angenommen. Die Grenzgrössen für den Dobson wurden bei Tests überprüft und sind realistisch.

Dobson-ATM

    Ich war (nach langem Überlegen) zu bequem, mir selbst einen Dob 'from scratch' zu bauen, deshalb der Gebrauchtkauf. Daran gibt es nun noch genug zu verbesseren, um meine ATM-Neigungen (ATM = Amateur Telescope Making) ein bisschen auszuleben. Der grösste Umbau, das Tieferlegen der Spiegelbox um 50mm (um die Balance zu verbesseren + Zusatzgewichte wegzuoptimieren), ist mittlerweile abgeschlossen. Ansonsten gibt es folgende Punkte:

    Was verbessert wurde:
    • 'BigFinder' (Newton 6" f/4.5, OAZ 2") justierbar adaptiert
    • Spiegelbox tiefer gelegt um 50mm
    • neue Höhenräder adaptiert
    • stabile Frontblende gegenüber OAZ
    • Schwärzungen an Hut + FS-Halter
    • Schwärzung der Vorderfront der Spiegelbox
    • umlaufende Blende gegen rückseitigen Lichteintritt hinter dem Hauptspiegel
    • Haltestreben entkleidet + geschwärzt
    • Batterie-Halterung (als Finder-Gegengewicht)
    • Fangspiegel gegen Unterkühlung verkleidet (Taukappe)
    • Richtungs-Markierungen für Kollimation am Stern
    Was noch zu tun bliebe:
    • Irisblende am OAZ zur Streulichtminderung bei hohen Vergrösserungen
    • Encoder in Az/Elev + Anschluss an NTB/Guide 8.0
    • Satz verkürzte Haltestangen für Fotografie
    • Fangspiegelheizung
    • 20" Sonnenfilter (ND=5 Baaderfolie)

Der DobDrive

    Der DobDrive ist eine echte Erleichterung bei hohen Vergrösserungen, und ersetzt mir die Äquatorial-Nachführplattform, die manche Kollegen verwenden. Gerade bei schwierigen Objekten ist es oft essentiell für den Beobachtungserfolg, dass man Nachführung mit der Hand vergessen kann. Zwar erzeugt das Einkuppeln des Drives etwas Backlash (kl. Ruck zur Seite), aber das lässt sich mit der Zeit passabel handhaben.

    Die rote Controller-Box steuert je einen Motor an der Elevations- und Azimuttachse an. Positionierung und auch Tracking lassen sich damit motorisch durchführen (man könnte sogar per Notebook GOTO-artig positionieren). Im Tracking-Mode führt das Gerät nach kurzer Einlern-/Einschwing-Zeit der Himmelsdrehung nach - ausreichend genau um (bei visueller Beobachtung) minutenlang auch bei hoher Vergrösserung (200x und höher) und ungestört beobachten zu können. Dies ist auch hilfreich, wenn man Beobachtungsgäste hat, die dann das Objekt lange im im Feld sichtbar behalten, ohne sich mit der Dobson-typischen Schubserei auskennen zu müssen.

    Natürlich sind die Antriebe auskuppelbar - für grosse Schwenks von Objekt zu Objekt, so dass man hier wieder das Standard-Handling ('Schubsen') eines normalen, manuellen Dobsons hat. Letzteres benutze ich auch 90% der Zeit.

Der BigFinder

    Die Grobsuche von Objekten geschieht mit einem Telrad-Finder, der allerdings in der Detailsuche nicht hinreichend ist. Leider ist aber selbst das Feld meines langbrennweitigsten Okulars (31mm) am Dob nur noch 1.25° gross... Das ist einfach zu wenig für bequemes + wirklich schnelles Aufsuchen. Zu oft habe ich so viel wertvolle Beobachtungszeit unter tollem Himmel verschwendet...

    Deshalb wurde ein 6" f/4.5 Newton mit 2" Helical-Auszug (3kg Gesamtgewicht) an den Dobson (justierbar) adaptiert, der als BigFinder dient. Dieser reitet in einer sehr flachen, aber doch 3D-justierbaren Halterung auf der Spiegelbox und wird von einem Klettband dort richtungsstabil (in 2 Aluschienen) fixiert. Die Ausrichtung des BigFinders ist damit auf 0.5° (1/7 GF Durchmesser) reproduzierbar (ich justiere nie neu). Konstruktionsbedingt verursacht diese Art der Montage natürlich (leichte) Balance Probleme für den Tubus nahe der Zenitstellung. Dies wird jedoch durch die Montage des DobDrive-Akkus (2.6kg + kl. Gewicht) auf der Gegenseite der Spiegelbox perfekt + sehr zweckdienlich kompensiert. Ausserhalb der Zenitstellung macht der Bigfinder praktisch keine Drehmomente, weil sein Schwerpunkt (Okular im OAZ balanciert das Spiegelgewicht am Tubusende) praktisch auf einer Linie mit dem Dob-Schwerpunkt liegt. Konstruktiv wichtig war mir, dass Einblick und Ausrichtung von BigFinder + Dob parallel sind. Dadurch tritt zwischen Sucher + Dob keinerlei irritierende Bildfelddrehung auf, nur die Vergösserung im Dob ist höher. Das erleichtert + beschleunigt das Aufsuchen wirklich um Grössenordnungen !

    Mit dem feldstecher-artig grossen Feld von 3.4° (f=31mm Okular) im BigFinder wird das Aufsuchen der Objekte sehr einfach. Die erste Peilung geschieht meist per Telrad, dann geht es zum Sucher. Hier drehe ich meine Aufsuchkarte (Guide 8, Orientierung AltAz + kopfstehend) auf die gleiche Orientierung wie im Sucher sichtbar. Das Starhopping ist dann wirklich sehr einfach, da man überhaupt nicht mehr umdenken muss. Viele Objekte sind beim Aufsuchen schon im Sucherfeld sichtbar und es können recht schwache Leitsterne zur Suche benutzt werden (>13mag Grenzgrösse im BigFinder). Weil der Suchereinblick identisch zum Hauptinstrument (zur Seite) ist, haben Sucher- und Dob-Feld immer genau die gleiche Orientierung und der Suchereinblick ist in allen Positionen (am Boden kniend) bequem zu erreichen. Auch ist es generell sehr interessant und angenehm, die Objekte auch mit 1/3 der Vergrösserung sehen zu können und in dem gigantischen Feld - die West + Ost-Hälften des Cirrus sind in einem Feld zu sehen ! Auch beim Demonstrieren von Objekten für andere Beobachter oder Gäste ist der BigFinder sehr hilfreich, weil 2 Personen gleichzeitig das betreffende Objekt sehen können.

    Kurz, der BigFinder macht sehr viel Spass - absolut empfehlenswert !

Warum visuelles Beobachten ?

    Fertige Digitalbilder aus dem Internet und natürlich selbstgemachte haben ohne Zweifel ihren Reiz. Ausserdem sind sie farbig. Warum also dann noch visuelles Beobachten ?

    Zunächst einmal visuelles Beobachten ist 'live', und also ein 'Erlebnis'. Es ist durchaus ein erhebender Moment, wenn man z.B. einen Quasar in 3 Mrd Lichtjahren Entfernung im Okular hat und sich beim Betrachten klar macht, wie lange die Photonen auf der Reise waren, welche Zeiten und welche Räume sie durchflogen haben - und auch: was ein Quasar denn überhaupt ist, und welch gewaltigem Phänomen ich hier 'live' zusehen kann. Visuelles Beobachten liefert so den einfach nicht ersetzbaren Kontakt mit dem Objekt. Man kann auch Grösse, Lichtstärke und Umgebung viel besser einschätzen und ermessen, man stolpert über andere Objekte, hat weitere Beobachtungsideen und merkt sich etwas für die nächste Nacht vor. Auch erlebt man den Himmel, die umgebende Natur, die Nacht und ihre Objekte - als ganzheitliches Naturereignis. Ich stehe als Mensch hier und jetzt mitten in einem riesigen Universum, und eben nicht bloss 'nachts auf der Wiese...'. Wer denkt, das Foto einer Party und die Anwesenheit auf der Party selbst seien identisch, irrt eben ziemlich offensichtlich...

    Ein 20" Dob liefert grob 10000x soviel Licht in die Pupille wie das menschliche Auge alleine empfängt. Farbsehen gibt es bei einem solchen Teleskop (praktisch) immer noch nicht (das bleibt weitgehend dem Fotografieren vorbehalten), aber dennoch: die Details die an Galaxien, Gasnebeln und Sternhaufen zu erkennen sind, sind schon annähernd so aufregend wie auf (kurzbelichteten) Fotos zu erkennen. Und wer einmal Grossobjekte durch ein solches Gerät beobachtet hat, wird feststellen, dass ein Foto diesen Anblick nie ersetzen kann. Visuelles Sehen ist anders !



Vorbereitung + Beobachtung

    Spontanbeobachtungen gibt es immer, aber im allgemeinen betreibe ich einige Beobachtungs-Vorbereitung. Dies allerdings nicht auf eine spezielle Nacht sondern allgemein: ich sammle kontinuierlich potentielle Beobachtungs-Objekte - d.h. ich mache mir Notizen (Notes) aus Postings in Webforen, Beobachtungsberichten von Kollegen, aus Büchern oder aus Papers und Zeitschriften, die ich lese. Natürlich achte ich auch auf plötzlich auftretende Ereignisse wie Kometen oder Supernovae.

    Die Notes mache ich grundsätzlich 'elektrisch' also auf dem Computer. Ich schaue sie dann regelmässig durch, und reichere sie an: d.h. suche die Koordinaten + Daten des Objekts raus und lade ein DSS-Bild aus dem Internet herunter, das ich eindeutig (Objekt + Feldgrösse) benenne und abspeichere. Ich habe mir ein Java-Programm (AXR) geschrieben, um aus diesen 'angereicherten Notizen' (die einem speziellen Format gehorchen) direkt eine in normalem HTML geschriebene Webseite für die Beobachtung zu erzeugen (man kann Webseiten auch auf der lokalen Platte ablegen und dort direkt + jederzeit ansehen ohne Internet + Webserver). Diese sog. CrossRef enthält dann alle Objekte die ich jemals beobachtet habe (mit Links in die Beobachtungs-Berichte), als auch die geplanten, neuen im Status TBO = 'to be observed', inklusive aller DSS Bilder. Besonders handlich ist: die CrossRef enthält Links (Objekt-ID), die mir mein Planetariums-Programm Guide 8.0 punktgenau auf dem jeweiligen Objekt hochfahren (CdC ginge auch). Das alles benutze ich dann nachts beim Beobachten im Feld auf einem Notebook. D..h. Sucherei in irgendwelchen Unterlagen entfällt komplett, Papier und lose im (Nacht-) Wind flatternde Zettelsammlungen gibt es nicht (mehr). Ausgedruckte Karten brauche ich (im allgemeinen) nicht, weil Guide 8.0 alle Karten on-the-fly erzeugen kann (inklusive schnell veränderlicher Phänomene) und alle nötigen Informationen bietet. Zusätzlich habe ich die runtergeladenen DSS-Bilder (in Guide oder aus der CrossRef).

    Guide 8.0 fahre ich - wie auch die CrossRef - auf einem PC-Notebook in Nachtfarben (rot) und mit heruntergeregelter Bildschirmbeleuchtung. Wenn nötig (helle Bilder) benutze ich noch eine Rotfolie als Vorsatz. Die Objektsuche starte ich per Telrad (Suchkreise mit 0.5°/2°/4°), meist auf einem helleren Stern in der Nähe. Dann wechsele ich auf den 6" Bigfinder mit 3.4° Feld (31mm Okular, AP=6.2mm). Dort verifiziere ich erstmal, dass Orientierung im Sucher und auf der Karte in Guide übereinstimmern (Guide-Feld per Software drehen) - die Drehwinkel sind i.a. gering, weil Guide im Modus 'AltAz' (Zenit oben) und 'Karte kopfstehend' gefahren wird. Sobald ich das Objekt identifiziert habe oder ich nahe genug dran bin, wechsle ich auf den 20" Dob mit 0.8° Feld (20mm Okular, AP=5mm). Normalerweise sehe ich das Objekt schon im Sucher, spätestens aber im Dob (ausser bei schweren XL-Level Objekten). Guide hat vorgegebene Kartenstufen (Feldgrösse), die an meine Okular-Feldgrössen angepasst sind. Ich weiss also welche Kartenstufe ich für welches Okular brauche. Ausserdem bleibt die Grösse meines Sucherfeldes auf der Guide-Karte immer als Kreis markiert (dadurch behalte ich beim Suchern immer einen visuellen Anhaltspunkt für die Feldgrösse auf der Karte). Mit dieser Methodik bleibe ich immer orientiert und vergeude keine wertvolle Beobachtungszeit mit Sucherei oder Verwirrung.

    Mancher Kollege wird sicher weniger formal vorgehen - auch ich tue das manchmal. Die Zahl guter Nächte ist aber leider - durch vielerlei Umstände - ziemlich begrenzt, und der Aufwand, den man für DeepSky-Beobachtungen betreiben muss (Packen, Anfahrt, Aufbau, Justage und alles wieder zurück) ist ja wirklich gigantisch. Nach einigen leidvollen Erfahrungen habe ich deshalb einfach beschlossen: ich möchte in einer guten Nacht maximal effizient beobachten können und keine Zeit mit Unsinn oder Sucherei vergeuden. Das ist der Grund warum ich i.a. einigermassen gut vorbereitet bin und Instrumentarium, Software + Webseiten entsprechend zweckdienlich getunt halte.

    Letzter Schritt ist, Beobachtungsberichte (BB) zu schreiben. Hier kann ich selber die nächtlichen Beobachtungen nochmal nachvollziehen, und beim Lesen von Papers zum jeweiligen Thema lerne ich immer wieder etwas dazu. Dabei bin ich eher an der Physik des Objekts interessiert als daran, nachts am Teleskop das allerletze aus dem Teleskop (und meinen Augen) herauszuholen oder Rekorde zu vermelden. Die BBs werden von der CrossRef zu den Objekten (und relevanten Papers + Internetquellen) verlinkt - ich hoffe das hilft interessierten Kollegen beim Nachbeobachten oder auch Nachlesen interessanter Zusammenhänge. Dann werden die BBs natürlich in Webforen veröffentlicht und diskutiert, was oft völlig neue Aspekte oder Zusammenhänge zutage fördert - vor allem aber bringt das...

    ...Anregungen für neue Beobachtungen ! :-)

Muss man einen 20" Dob haben ?

    Ich würde - nach Vergleichen mit meinem 8" Newton oder einem C11 sagen: NEIN ! Denn ein guter, dunkler Himmel macht ungleich viel mehr aus als der Umstieg selbst von etwa 10" nach 20" !!! (Ich weiss die eingefleischten BigDobsonianer werden jetzt nach dem Scheiterhaufen rufen :-).

    Wenn man allerdings einen 10" und einen 20" BigDob unter den gleichen 6.5mag Himmel bringen kann, dann MUSS man natürlich den BigDob haben, denn: - wie schon David Kriege in seinem 'The Dobsonian Telescope' sagt - 'This is the life!'

    Und nebenbei bemerkt: Sicher ist es noch schöner einen 22" zu haben, einen 24" gar, aber irgendwie sind das von 20" ausgehend keine wirklichen Quantensprünge mehr (entspricht dem Sprung von 10" nach 11" oder 12", naja...). Also: ein Teleskop in der 20"-Klasse ist in diesem Sinne dann doch ziemlich ultimativ - soll heisssen: man braucht kaum etwas grösseres. Wollte man deutlich mehr sehen, bräuchte man schon einen 40"er ! - aber, ist der wirklich noch handhabbar ? So ist es irgendwie dann doch beruhigend, dass der Logarithmus (Magnituden) eine echt langsam wachsende Funktion ist... :-)

    Habe ich gesagt, dass ich (dennoch !) immer wieder über einen 30" nachdenke...   :-)
    Teleskopleistung relativ zum 20" Dobson:
D Dx Fx Δmag Aufl. ["]
Auge 7mm 1/ 71 1/ 5100 -9.3 33
2" 1/ 10 1/ 100 -5.0 2.3
4" 1/ 5 1/ 25 -3.5 1.2
6" 1/ 3.3 1/ 11 -2.6 0.76
8" 1/ 2.5 1/ 6.25 -2.0 0.58
10" 1/ 2 1/ 4 -1.5 0.46
12" 1/ 1.6 1/ 2.7 -1.1 0.38
14" 1/ √2 1/ 2 -0.75 0.33
16" 1/ 1.25 1/ 1.6 -0.48 0.28
Dobson 20" 1 1 0 0.23
22" 1.1 1.21 +0.20 0.21
24" 1.2 1.44 +0.40 0.19
30" 1.5 2.25 +0.88 0.15
40" 2.0 4.00 +1.50 0.12
      (D = Durchmesser in Zoll, Dx = Durchmesser-Faktor, Fx = Flächen/Fluss-Faktor,
      Δmag = Grenzgrössen-Unterschied in mag, Aufl. = theoret. Dawes-Auflösung in arcsec)

Was kann man sehen ?

    Das kann man in meinen visuellen Beobachtungsberichten ausführlich lesen. Natürlich ist und bleibt eine möglichst geringe Himmelshelligkeit der bestimmende Faktor für die Beobachtung - auch für einen 20" Dob ! Bei guten Verhältnissen (> 6mag fst) sieht man aber z.T. fantastische Einzelheiten:

    • viele Objekte jetzt erst (fast) so deutlich wie auf Fotos
    • deutlich mehr Struktur auf den Planeten
    • feinste Einzelheiten auf der Mondoberfläche
    • Details auf der Sonne
      (noch nicht probiert, muss aber klasse sein, was ich so am Mond gesehen habe)
    • fantastische Details in Emissionsnebeln, SNRs und PNs (m. Linienfilter)
    • Kugelsternhaufen 'foto-like' und tief in Einzelsterne aufgelöst
    • Offene Sternhaufen mit deutlich mehr schwächeren Einzelsternen
    • deutlichere Dunkelnebel in der Milchstrasse (wegen des Mehr an sichtbaren Sternen)
    • Galaxien mit Spiralarmen und Details darin
    • Sternhaufen und HII-Gebiete in nahen Galaxien
    • Galaxien im Bereich bis 17 Magnituden scheinbare Helligkeit (himmelsabhängig) und damit auch Gruppen + Cluster. Letztlich damit auch die kosmologische 'Large-Scale Structure'.
    • Gesichtsfelder mit 20+ Galaxien darin, Galaxienhaufen + Gruppen (Abell, Hickson, etc)
    • viele Quasare in kosmologischen Entfernungen
      uvm.

    Yes, this is the life ! :-)


    Bilder

      Hier die neuesten Bilder des 20" Dobsons im Gesamtaufbau und in einigen Details.

    Frontansicht des 20" Dob
    mit Bigfinder + Frontblende
    (Nylonummantelung unten)

    Seitenansicht mit Bigfinder
    + Frontblende
    (Nylonummantelung unten)

    Seitenansicht mit
    hochgezogener Ummantelung

    Rückansicht ohne Bigfinder
    Spiegelzelle mit Justierschrauben, Lüfter,
    rückseitige Blende

    20" Dobson mit 6" f/5 Bigfinder
    mit parallelem Okulareinblick

    Diagonalansicht mit Bigfinder
    li unten die beiden Dobdrive-Antriebe
    mit Kupplungen + die Steuerbox

    20" Dobson zerlegt miit Stangen
    Blende und Zubehörkoffern

    ATM-Details der voll justierbaren
    Halterung für denBigfinder


Version: 25.06.2010
Initial: 01.08.2007
© P. Surma, 2004 - 2010