Der 20" Dobson
Ein Dobson in der 20"-Kampfklasse gilt als ultimatives Gerät für rein visuelles
Beobachten. Seit Juni 2007 beobachte ich mit einem solchen (gebraucht erstandenen) 20-Zoll
f/4 Gitterrohr Dobson (D=0.5m, f=2m, Bilder des Teleskops siehe ganz unten).
Das Gerät stammt ursprünglich von AOM und verfügt über einen dünnen Hauptspiegel mit
Strehlwert 0.96. Ventilatoren unter der offenen 18-Punkt-Spiegelzelle (plus Schlinge) und über
der Spiegelfläche selbst kann man für schnellere Auskühlung und Turbulenzminderung benutzen. Der Fangspiegel
(derzeit noch ohne Heizung) ist natürlich offsetkorrigiert eingebaut und besitzt 100mm Durchmesser
(kurze Achse). Die Kollimation der Optik ist nach dem Aufbau in 5 Minuten per Laserjustierung
leicht herzustellen. Der Okularauszug ist ein Starlight Feathertouch, der durch sein perfektes
Handling das Beobachten sehr angenehm macht. Der Einblick liegt im Zenit auf 2.00m Höhe (nach
Tieferlegung um 5cm), so dass eine kleine Alustandleiter mit 3 Stufen (0.65m Höhe) genügt.
Die mechanische Konstruktion ist recht massiv und handwerklich solide in Birke-Multiplex ausgeführt. Das
Gewicht der Spiegelbox (inkl. Spiegel + Zelle) beträgt 27 kg und lässt sich von einer Person
gut handhaben. Vier Alurohrpaare a 0.8kg in Standard-Konstruktion (Serrurier) halten
den 5kg (5.8kg inkl Blende) schweren Hut mit dem OAZ in Position. Die mechanische Konstruktion bewirkt, dass
zusätzliche Drehmomente am Hut (Okulare, Sucher) unter dem Spiegel mit ca 3.5x...4x des Gewichts
kompensiert werden müssen. Zur Austarierung (vor allem bei schweren Okularen) dient der
2.6kg schwere 12V-Akku für den DobDrive, der (abnehmbar) unter der Spiegelbox angebracht wird.
Ein in der Urspungsversion zusätzlich notwendiges Messinggewicht mit 3.6 kg habe ich mittlerweile
durch Tieferlegen der Spiegelbox um 50mm wegoptimiert - nun ist der Tubus auch ohne Zusatzgewicht
mit dem 31er Nagler (900g) am OAZ im Gleichgewicht.
Ein schwarzes Nylontuch ummantelt die Gitterrohre. Dies dient - neben anderen Modifikationen, die ich mit der
Zeit noch anbringen werde (siehe unten) - zur Streulichtminderung und Kontraststeigerung.
Okularset am 20" Dobson:
| f | 31mm | 20mm | 13mm | 9mm | 5mm |
| AP | 7.8mm | 5.0mm | 3.3mm | 2.3mm | 1.3mm |
| V | 65x | 100x | 155x | 225x | 400x |
| Feld | 1.3° 75' | 0.8° 50' | 0.5° 30' | 0.36° 22' | 0.20° 12' |
| Limit | 15.8m | 16.5m | 16.9m | 17.1m | 17.0m |
Okularset am Bigfinder:
| f | 31mm | 20mm | 13mm | 9mm | 5mm |
| AP | 6.2mm | 4.0mm | 2.6mm | 1.8mm | 1.0mm |
| V | 24x | 38x | 58x | 83x | 150x |
| Feld | 3.4° | 2.2° | 1.4° | 1.0° | 0.6° 33' |
| Limit | 13.6m | 14.1m | 14.5m | 14.7m | 14.9m |
(f = Okular-Brennweite, AP = Austrittspupille, V = Vergrösserung)
Die Grenzgrössen (Limit) in Magnituden wurden mithilfe eines
Maglimit Calculators errechnet, mit folgenden (optimistischen) Annahmen + Kenngrössen: fst=6.5mag, B-V=0.63mag (Sonne),
Luftmasse = 1 (Zenitdistanz 0°), Extinktionskoeffizient in V +0.15mag, Seeing 2.5arcsec FWHM, Expert Observer. Eine
Augenpupille von 6.3mm wurde angenommen. Die Grenzgrössen für den Dobson wurden bei Tests überprüft und sind realistisch.
Dobson-ATM
Ich war (nach langem Überlegen) zu bequem, mir selbst einen Dob 'from scratch' zu bauen, deshalb
der Gebrauchtkauf. Daran gibt es nun noch genug zu verbesseren, um meine
ATM-Neigungen (ATM = Amateur Telescope Making) hinreichend auszuleben. Der grösste Umbau, das Tieferlegen
der Spiegelbox um 50mm (um die Balance zu verbesseren + Zusatzgewichte wegzuoptimieren), ist
mittlerweile abgeschlossen. Ansonsten gibt es folgende Punkte:
Was verbessert wurde:
- 'BigFinder' (Newton 6" f/4.5, OAZ 2") justierbar adaptiert
- Spiegelbox tiefer gelegt um 50mm
- neue Höhenräder adaptiert
- stabile Frontblende gegenüber OAZ
- Schwärzungen an Hut + FS-Halter
- Schwärzung der Vorderfront der Spiegelbox
- Blende hinter dem Hauptspiegel
- Haltestreben entkleidet + geschwärzt
- Batterie-Halterung (als Finder-Gegengewicht)
- FS verkleidet (Taukappe)
Was noch zu tun bleibt:
- Blende am OAZ
- Encoder in Az/Elev + Anschluss an NTB/Guide 8.0
Der DobDrive
Der DobDrive erleichtert das Beobachten bei hohen Vergrösserungen sehr stark.
Die rote Controller-Box steuert je einen Motor an der Elevations- und Azimuttachse an.
Positionierung und auch Tracking lassen sich damit motorisch durchführen (man könnte
sogar per Notebook GOTO-artig positionieren, was ich aber derzeit nicht benutze). Im Tracking-Mode
führt das Gerät nach kurzer Einlern-/Einschwing-Zeit der Himmelsdrehung nach - ausreichend
genau um (bei visueller Beobachtung) minutenlang auch bei hoher Vergrösserung (200x und
höher) und ungestört beobachten zu können. Dies ist insbesondere hilfreich, wenn man
Beobachtungsgäste hat, die dann das Objekt lange im im Feld sichtbar behalten,
ohne sich mit der Dobson-typischen Schubserei auskennen zu müssen. Natürlich sind die
Antriebe auskuppelbar - für grosse Schwenks von Objekt zu Objekt, so dass man hier wieder
das Standard-Handling eines normalen, manuellen Dobsons hat.
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Warum visuelles Beobachten ?
Fertige Bilder aus dem Internet und natürlich selbstgemachte haben ohne Zweifel ihren
Reiz. Aber visuelles Beobachten liefert den nicht ersetzbaren Kontakt mit dem Objekt. Man
kann Grösse, Lichtstärke und Umgebung viel besser einschätzen und ermessen, man
stolpert über andere Objekte, man erlebt den Himmel und die Nacht und ihre Objekte -
natürlich auch als Naturereignis. Eben nicht virtuell auf dem Rechner und synthetisch
n-fach durch digitale Filter gedreht, sondern durch (relativ) direktes Hinschauen.
Ein 20" Dob liefert dabei grob 10000x soviel Licht in die Pupille wie das menschliche
Auge alleine empfängt. Farbsehen gibt es bei einem solchen Teleskop (praktisch) immer noch nicht
(das bleibt weitgehend dem Fotografieren vorbehalten), aber dennoch: die Details die
an Galaxien, Gasnebeln und Sternhaufen zu erkennen sind, sind schon annähernd so aufregend
wie auf (kurzbelichteten) Fotos zu erkennen. Und wer einmal Grossobjekte durch ein solches
Gerät beobachtet hat, wird feststellen, dass ein Foto diesen Anblick nie ersetzen kann.
Visuelles Sehen ist anders !
Und letztlich: Warum soll man unter fantastischem Himmel stundenlang 'untätig rumstehen',
während die Digitalkamera nebenan gerade wiedermal 15 Minuten Photonen aufsammelt. Da
bleibt also der Wunsch + genug Zeit um zum Dobson zu greifen und visuell auf die Reise
zu gehen. Und das minimalistische Equipment sorgt dafür, dass man sich statt auf Technik
(Aufbauen, Scheinern, Justieren, Fokussieren, Autoguiden, Auslesen, was die DSLR-Batterie ist leer, Herrgott...
muss mal neu Fokussieren, ach ich hab die ISO Zahl vergessen auf 400 zu stellen, also nochmal, usw usw...)
auf das Sehen konzentrieren kann...!
Muss man einen 20" Dob haben ?
Ich würde - nach Vergleichen mit meinem 8" Newton oder einem C11 sagen: NEIN !
Denn ein guter, dunkler Himmel macht ungleich viel mehr aus als der Umstieg selbst
von etwa 10" nach 20" !!! (Ich weiss die eingefleischten BigDobsonianer werden jetzt nach dem
Scheiterhaufen rufen :-).
Wenn man allerdings einen 10" und einen 20" BigDob unter den
gleichen 6.5mag Himmel bringen kann, dann MUSS man natürlich den BigDob haben, denn:
- wie schon David Kriege in seinem 'The Dobsonian Telescope' sagt - 'This is the life!'
Und nebenbei bemerkt: Sicher ist es noch schöner einen 22" zu haben, einen 24" gar, aber irgendwie
sind das von 20" ausgehend keine wirklichen Quantensprünge mehr (entspricht dem
Sprung von 10" nach 11" oder 12", naja...). Also: ein Teleskop in der 20"-Klasse ist in diesem
Sinne dann doch ziemlich ultimativ - soll heisssen: man braucht kaum etwas grösseres.
Wollte man deutlich mehr sehen, bräuchte man schon einen 40"er ! - aber, ist der wirklich noch
handhabbar ? So ist es irgendwie dann doch beruhigend, dass der Logarithmus (Magnituden)
eine echt langsam wachsende Funktion ist... :-)
Was kann man sehen ?
Das kann man in meinen
visuellen Beobachtungsberichten
ausführlich lesen. Natürlich ist und bleibt eine möglichst geringe Himmelshelligkeit der
bestimmende Faktor für die Beobachtung - auch für einen 20" Dob ! Bei guten Verhältnissen (> 6mag fst) sieht man aber
z.T. fantastische Einzelheiten:
- viele Objekte jetzt erst (fast) so deutlich wie auf Fotos
- deutlich mehr Struktur auf den Planeten
- feinste Einzelheiten auf der Mondoberfläche
- Details auf der Sonne
(noch nicht probiert, muss aber klasse sein, was ich so am Mond gesehen habe)
- fantastische Details in Emissionsnebeln, SNRs und PNs (m. Linienfilter)
- Kugelsternhaufen 'foto-like' und tief in Einzelsterne aufgelöst
- Offene Sternhaufen mit deutlich mehr schwächeren Einzelsternen
- deutlichere Dunkelnebel in der Milchstrasse (wegen des Mehr an sichtbaren Sternen)
- Galaxien mit Spiralarmen und Details darin
- Sternhaufen und HII-Gebiete in nahen Galaxien
- Galaxien im Bereich bis 17 Magnituden scheinbare Helligkeit (himmelsabhängig) und damit auch Gruppen + Cluster. Letztlich damit auch die kosmologische 'Large-Scale Structure'.
- Gesichtsfelder mit 20+ Galaxien darin, Galaxienhaufen + Gruppen (Abell, Hickson, etc)
- viele Quasare in kosmologischen Entfernungen
uvm.
Yes, this is the life ! :-)
Der BigFinder
Die Grobsuche von Objekten geschieht mit einem Telrad-Finder, der allerdings in der Detailsuche nicht
hinreichend ist. Leider ist aber selbst das Feld meines langbrennweitigsten Okulars (31mm) am Dob nur
noch 1.25° gross... Das ist einfach zu wenig für bequemes + wirklich schnelles Aufsuchen. Zu oft
habe ich so viel wertvolle Beobachtungszeit unter tollem Himmel verschwendet...
Deshalb wurde ein 6" f/4.5 Newton mit 2" Auszug (3kg Gesamtgewicht) an den Dobson (justierbar) adaptiert,
der als BigFinder dient. Dieser reitet in einer Justagehalterung auf der
Spiegelbox und wird von einem Klettband dort richtungsstabil (in 2 Aluschienen) fixiert. Konstruktionsbedingt
verursacht diese Art der Montage (leichte) Balance-Probleme nahe der Zenitstellung. Dies wird
jedoch durch die Montage eines Gegengewichts (DobDrive-Akku + kl. Gewicht) auf der Gegenseite der Spiegelbox
gut kompensiert.
Mit dem
Feld von fast 3.5° (f=31mm Okular) im BigFinder wird das Aufsuchen der Objekte stark vereinfacht + beschleunigt.
Zunächst drehe ich meine Aufsuchkarte (Guide 8) auf die gleiche Orientierung wie im Sucher sichtbar.
Das Starhopping ist dann wirklich sehr einfach, da man absolut nicht umdenken muss. Viele Objekte sind
beim Aufsuchen schon im Sucherfeld sichtbar und es können recht schwache Leitsterne zur Suche benutzt werden
(>13mag Grenzgrösse im BigFinder). Weil der Suchereinblick identisch
zum Hauptinstrument (zur Seite) ist, haben Sucher- und Dob-Feld immer genau die gleiche Orientierung und
der Suchereinblick ist in allen Positionen (am Boden kniend) bequem zu erreichen. Auch ist es generell sehr
interessant und angenehm, die Objekte auch mit 1/3 der Vergrösserung sehen zu können und in dem
gigantischen Feld - die West + Ost-Hälften des Cirrus sind in einem Feld zu sehen ! Auch beim
Demonstrieren von Objekten für andere Beobachter oder Gäste ist der BigFinder sehr hilfreich, weil 2 Personen
gleichzeitig das betreffende Objekt sehen können.
Kurz, der BigFinder macht sehr viel Spass - absolut empfehlenswert !
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